Es war bereits angekündigt worden: Wir suchen ein festes Lehrrevier für den Jagdverein Lehrprinz. Das ist keineswegs so einfach wie es scheint. Es muss schließlich für die Belange der Seminare geeignet, irgendwie für die Seminarteilnehmer erreichbar und nicht zuletzt auch erschwinglich sein.
Die Suche beginnt mit einer geographischen Sondierung. Schnell führt die Suche fort aus den westdeutschen Ballungsgebieten und den von dort aus gut erreichbaren, aber begehrten Revieren in Hunsrück, Eifel, Taunus oder Sauerland: Zu große Nachfrage, zu kleine Reviere, zu wenig Schalenwild, das wir für Seminarzwecke brauchen. Zwar wird zu Jahresbeginn in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über Probleme bei der Widschweinbejagung berichtet - Wildschweinplage, Gefahr der Schweinepest und Kirrungsexperten - und wäre eine konsequente und teilweise auch revierübergreifende Bejagung der Schwarzkittel gefordert, wäre der Lehrprinz in solchen Revieren zu einseitig auf das Schwarzwild ausgerichtet und wohl auch zu stark mit ausschließlichen Problemen der Schwarzwildbejagung gefordert.
Auch die reinen Niederwildreviere mit starken Rebhuhn-, Fasan- oder Hasenbesätzen und dementsprechend notwendigen Hegebemühungen gehen von der Eignung eher an den zu Grunde gelegten Voraussetzungen an ein Revier für den Lehrprinz vorbei.
Letztlich suchen wir ein Revier mit starken Reh- und Schwarzwild-Vorkommen, abwechslungsreich durch die grundsätzlich vorhandene Artenvielfalt, mit ein bisschen Rot- oder Damwild als Wechselwild zwecks Ansprechübungen.
Unser Blick wendet sich dementsprechend schnell der scheinbar unendlichen Weite Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns zu: Trotz der Nähe der Bundeshauptstadt kämpfen beide Länder mit zunehmender “Entvölkerung”. Blühende Landschaften sind nur in einer Beziehung entstanden: Die Natur kann und macht sich hier breit. Jenseits des Berliner Speckgürtels sind keine wirtschaftlichen Boom-Zonen entstanden, Industrie gibt es hier kaum noch. Viele junge Menschen sehen hier keine Perspektiven mehr: Landwirtschaft, groß- und weitflächige Biosphären-Reservate, Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete. Vor allem die Natur hat eine Chance und durch den Wasserreichtum der Gegend auch das Wild. Und eben durch die einzigartige Natur und Artenvielfalt könnte sich die Gegend touristisch erschließen lassen, ohne ausreichend Reiz für Massentourismus zu bieten.
Wer sich um Berlin herum ein bisschen auskennt, weiss längst, welche Gebiete uns interessant erscheinen: Wir haben die Gebiete im Norden und Nordosten Berlins Prignitz, Oderbruch und Uckermark und das sich anschließende südliche Mecklenburg-Vorpommern ins Auge gefasst. Hier sagen sich nicht nur sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht. Fährt man durch die Dörfer, sieht man kaum Menschen und abends liegen viele Häuser im Dunklen. Einzigartig sind vor allem Natur und Wildbestände.
Die jagdlichen 1-A-Lagen sind auch hier für den Verein unerschwinglich. Wir brauchen jedoch für die Seminararbeit auch keine Trophäen-Träger und/oder Rot- bzw. Damwild-Kerngebiete, die hier, anders als irgendwo sonst in der Bundesrepublik, alles andere als selten sind.
Soweit in unserer Suche schon konkreter - wenn ein festes Lehrrevier irgendwo zu finden sein wird, dann hier - ist unser Lehrprinz und Seminarkoordinator Stefan inzwischen von der Bergstraße nach Brandenburg umgesiedelt und hat einen ersten Stützpunkt in Falkenberg (Mark) bezogen. Falkenberg, das einst den Berlinern als Sommerfrische galt, liegt eingebettet in die Hänge des Oderbruchs zwischen Bad Freienwalde und Eberswalde am Südrand der Schorfheide.
In der Oderniederung stehen jetzt im Januar/Februar/März die Rehe in Sprüngen von bis zu 15-20 Stücken zusammen. Direkt hinter dem Haus, das von Wiesen und Weiden umgeben ist, befinden sich zwei Fuchsbaue. Aus den Gebüschen am Bahndamm der nur noch einspurigen Bahnlinie zwischen Bad Freienwalde nach Eberswalde fliegen Fasane auf. Der Feldhase ist hier überall zu beobachten und die Spuren des Schwarzwildes, das häufig durch die bewaldeten Hänge des Oderbruchs zwischen Barnimer Hochplateau und Oderniederung wechselt, unübersehbar. Auch der Biber ist hier wieder heimisch und gibt sich als perfekter Helfer für die Jagdhundausbildung. Hinsichtlich der Wildvorkommen könnte Stefan an der fast perfekten Stelle für ein Lehrrevier angekommen sein. Genau das bräuchten wir; wenn sich hier irgendwo noch Rotwild für Ansprechübungen beobachten ließe, wäre alles perfekt.
Nachdem dieser erste Stützpunkt noch im Wesentlichen ohne gute Ortskenntnisse, ja mehr oder weniger über den blinden Fingerzeig auf die Landkarte, gefunden wurde, sind wir schon erstaunlich weit gekommen.
Es darf so weitergehen!
Tags: Lehrrevier, Oderbruch, Schorfheide