Archiv für das Tag 'Jungjäger'

Okt 18 2010

Profile Image of Gastautor
Gastautor

Der Schleicher: Ein 80kg-Keiler


Am Folgetag: DD Ajax und BGS Dana bewachen Alex’ starken Keiler (Foto: C. Wilms)

Es ist schon ein paar Monaten her, seit ich durch das erste Berliner Jäger-Stammtischwochenende im Oderbruch in das Revier Liepe gekommen bin. Darauf aufbauend ergab es sich in einigen Gesprächen mit Stefan und dem Revierpächter Dr. Lipps, daß für mich und einen Jagdfreund eine attraktive Jagdmöglichkeit im Revier Liepe heraussprang. Hatten wir doch per 31.03. unsere bisherige Jagdmöglichkeit am Stadtrand von Berlin durch einen Pächterwechsel verloren.
Nach den ersten Ansitzen stellte sich schnell heraus, daß das Revier im Oderbruch eine mir bisher unbekannte Artenvielfalt in einer überaus reizvollen Landschaft bot.
Nach vielen anfänglich glücklosen, aber dennoch schönen Ansitzabenden hatten wir beschlossen, den Septembermond auszunutzen, um endlich auch einmal Beute zu machen.

Gesagt – getan, wir fuhren am Dienstag und Mittwoch dieser Woche jeweils nach Feierabend ins Revier um dann jeweils gegen 19.30 anzusitzen. Mein Ziel sollte in den beiden Tagen die „Seegebuchte“ werden. Die Kanzel liegt in einer hügeligen Endmoränenlandschaft am Rande des angrenzenden Forstes. Man hat einen weiten Blick über die umliegenden Felder. Direkt zu den Füßen der Kanzel befindet sich ein kleiner Tümpel. Eigentlich handelt es sich eher um eine riesige Pfütze, die durch die Beseitigung ehemals vorhandener Entwässerungsgräben entstanden ist. Diese Senke gliedert sich wie ein Spiegelei in zwei Zonen. Der innen liegende, mit dichtem Schilf bewachsene Teich wird umgeben von einem etwas flacheren, aber immer noch hüfthohen grünen Randbereich mit einigen weinigen Hecken. Zum Rand der Senke wird der Bewuchs etwas flacher und geht dann nach einer abschließenden Kante aus Brombeeren in die angrenzenden Felder über.

Am Dienstag hörte ich schon kurz nach dem Aufbaumen, wie eine einzelne Sau im Schilf langsam erwachte und unter dem Geräusch der brechenden Stengel einige Kreise im Schilf zog. Nebel hatte sich breit gemacht, und so konnte ich nur hören, wie die Sau aus dem Schilf austrat und durch das hohe Gras bis in meinen Windschatten schlich. Dort wurde er still, blies einmal kurz und verließ mit einem tiefen Grunzen die Bühne. Die Stimmlage und das trotz meiner Witterung recht gemächliche wegziehen ließ mich auf einen älteren und erfahrenen Keiler schließen. Er wußte vermutlich, daß er im dichten Nebel nichts zu befürchten hatte. Nach einer halben Stunde verließ eine weitere einzelne Sau auf dem gleichen Weg ebenfalls das Schilf. Diese hatte vermutlich auf der anderen Seite des Teiches den Tag verbracht und entschloß sich nach einiger Zeit im Schilf dazu, auch auf die Reise für diese Nacht aufzubrechen.

Am Mittwoch zur gleichen Zeit war ich wieder auf dem Weg zur Seegebuchte. Ich stellte das Auto rund hundertfünfzig Meter weiter am Feldrand ab pirschte mich langsam Richtung Kanzel. Leider stand der schwach säuselnde Wind nicht gut und ich hörte, wie eine einzelne Sau aus dem Randbereich der Senke wieder in das Schilf zog. Das mußte er gewesen sein. Sehen konnte ich ihn nicht, da man nur von oben aus der Kanzel in die Senke einsehen kann. Gut, leise weiter auf die Kanzel und dort erst einmal eingerichtet. Diesmal zog kein Nebel auf und ich hatte gute Sicht. Der „Schleicher“ hatte sich nicht groß durch meine Anwesenheit verunsichern lassen. Er zog weiterhin gut hörbar im Schilf hin und her. Irgendwann machte er sich wieder auf den gleichen Weg an der Kanzel vorbei aus dem Staub. Diesmal schlich er sich aber am für mich nicht einsehbaren Rand der Senke direkt unter dem Sitz vorbei und war verschwunden. Ich sah ihn auf der anderen Seite auch nicht mehr auftauchen. Er hatte also einen Geheimausgang. Die Sache fing an mir zu gefallen. Ich habe schon oft beobachten können, wie einzelne Keiler einen festen Tagesablauf haben. Sie gehen oft die gleichen Wege, zu immer denselben Zeiten, so daß man beinahe die Uhr nach Ihnen stellen kann. Der „Schleicher“ schien ein Vertreter dieser Art zu sein.

Im Verlaufe des Abends hatte ich dann auf jeweils große Entfernungen noch drei weitere Rotten vor und einen Rotspießer, der gemütlich einmal im Kreis um die Senke zog.

Da die Ansitze vom Dienstag und Mittwoch mir noch in den Knochen steckten, war ich nicht sicher, ob wir den Donnerstag auch noch einmal ins Revier fahren sollten. Immerhin waren wir nach der guten Stunde Rückfahrt in den vergangenen Tagen sehr spät ins Bett gekommen und der Wecker klingelte erbarmungslos um sechs Uhr in der Früh. Ich besprach mich mit meinem Jagdfreund und wir stellten fest, daß Der Donnerstag wohl vorerst die letzte Möglichkeit wäre, den Septembermond mitzunehmen. Ab Freitag war schlechteres Wetter angekündigt und der abnehmende Mond spielte uns auch entgegen.

So packten wir, getrieben von den Ereignissen der letzten beiden Tage die Sachen und fuhren gestern noch einmal in den Oderbruch. Wir trafen Stefan in Liepe und beratschlagten die Taktik für den Abend. Für mich gab es nur ein Ziel. Das War die Seegebuchte. Mich zog es zu meinem neu gewonnenen Freund. Die Jagd auf diese Einzelgänger ist für mich die schönste und interessanteste Art auf Sauen zu waidwerken.

Stefan fuhr mich zur Kanzel und ich baumte auf. Nach kurzer Zeit des Einrichtens glaste ich die Umgebung ab und erspähte auf dem frisch gemähten Luzernenacker einen Fuchs. Die Entfernung paßte und so nahm ich meine neue Howa 1500, die seit den zwei Wochen in meinem Besitz nur auf dem Stand zum Einsatz gekommen war und legte an. Das Absehen suchte den Weg auf den Fuchs und als dieses auf seinem Latz zum stehen kam……………..NEIN! ich war aus einem anderen Grund hier. Ich wußte, daß mein Freund noch unten im Schilf schlief und die .30-06 blieb im Lauf.

Gut so! Kurze Zeit später brachen die ersten Schilfstengel und ich wußte „Er“ war wach. Er zog wie gewohnt seine kleinen Kreise im Schilf, sondierte die Lage und holte sich Wind aus allen Richtungen. Diesmal aber stand der Wind nur für mich günstig. Die Minuten vergingen. Immer wieder machte er kurze Pausen, dann brachen wieder Schilfstengel, dann wieder Minuten der Stille. Schließlich hörte ich wie er aus dem Schilf schon in das hohe Gras gewechselt hatte. Er schlich durch das Gras und ich konnte kurz seinen Rücken und das Haupt sehen. Er zog langsam und sehr gemütlich Stück für Stück an der Kanzel vorbei und ich mußte mir etwas überlegen. Auf der Seite, zu der her zog hatte die Kanzel kein Fenster sondern nur die Tür. Diese bot aber eine schlechte Auflage. Ein Glück, daß die Seegebuchte als eine der Luxuskanzeln im Revier mit einem Balkon ausgestattet ist. Ich Griff die Waffe, öffnete leise die Tür und trat auf den Vorbau hinaus. Fernglas hoch und siehe da, er stand unter einem kleine Bäumchen nur noch wenige Meter vom Übergang der Senke zu den Feldern. Das Gras unter dem Bäumchen war niedrig, so daß ich ihn gut sehen konnte. Das Gewehr schnell am Leiterholm angestrichen und warten bis er sich passend stellt. Er tat mir den gefallen und stellte sich unter dem kleinen Bäumchen breit. Langsam erhöhte ich den Druck auf den Abzug und im Knall brach der „Schleicher“ zusammen. Ich repetierte und blieb noch einige Zeit auf der Sau. Eine Nachsuche im dichten Schilf wo er zuhause war, wollte ich nicht riskieren. Aber er schlägelte nur noch kurz und dann war Stille. Es war wieder diese ganz besondere Stille, die ich in den vergangenen Monaten so vermißt hatte. Ich saß noch einige Minuten draußen auf dem Balkon der Kanzel und dachte über das Geschehene nach. Es war wieder alles so friedlich. Ich rief Stefan an und erzählte ihm, daß ich eine Sau geschossen habe, die liegt und er könne mich, wenn bei Ihm nichts mehr los ist abholen kommen. Es war erst 20.30 Uhr als ich Stefans Geländewagen über den Luzernenacker kommen sah. Ich packte meine Sachen und baumte ab. Wir gingen vom Feldrand durch die Brombeeren zu dem kleinen Bäumchen und da lag meine Sau. Daß einen Bergung alleine hier kaum möglich war hatte ich schon geahnt. Wir zogen die Beute zu zweit an die Feldkante und ich brach die Sau schnell auf. Schnell eingeladen und auf dem Weg zur Wildkammer auf dem Lieper Vorwerk funkte ich noch schnell meinen Jagdfreund an, daß er nachkommen sollte. Auf dem Vorwerk mußte die Sau erst mal an die Waage. Wir stellten 80 Kilo fest und nach dem ersten Schnaps wanderte das Schweinchen in die Kühlung. Meine Jagdfreund war inzwischen auch schon angekommen und nach einem letzten Bierchen (ich war ja am Vortag gefahren und hatte für den Rückweg nach Berlin eine Chauffeur) machten wir uns auf die Rückreise.

Keine Kommentare

Aug 23 2010

Profile Image of Gastautor
Gastautor

Jungjägerseminar “Blattjagd” in Liepe

Abgelegt unter Allgemein, Seminarberichte


Das Ergebnis eines erfolgreichen Wochenendes: strahlende Jungjäger mit ihren Rehböcken (Foto: Dr. W. Lipps)

Wie macht man als Jungjäger die ersten Schritte, vor allem ohne jagdliche Kontakte oder Zugang zu einem Revier?

Die Frage stellen sich wohl viele Jungjäger nach Bestehen der Jägerprüfung. Der Jagdschein ist gelöst, mit dem Kauf einer geeigneten Waffe wurde bereits geliebäugelt, aber eine Jagdmöglichkeit ist noch nicht in Sicht. Dies trifft vor allem für Jungjäger zu, die sich nicht schon im jugendlichen Alter für die Jagd begeistern oder keine Jäger in der Familie und im Bekanntenkreis haben.

Ohne Erfahrung kann es sehr schwierig sein, einen Begehungsschein oder eine Jagdeinladung zu ergattern. Daher finden sich sowohl im Internet als auch in den einschlägigen Jagdzeitschriften die immer gleichen Tipps. Diese reichen von freiwilliger Übernahme von Arbeiten im Revier, Übernahme der Raubwildbejagung (sogar die Spezialisierung auf Krähenjagd wird empfohlen) bis hin zur Empfehlung, sich einen gut ausgebildeten Jagdhund zuzulegen oder das Jagdhornblasen zu erlernen, um so die Chance auf eine Teilnahme bei Gesellschaftsjagden zu erhöhen.

Dies sind sicher alles gut gemeinte Vorschläge, aber nicht jeder will oder kann diesen Weg gehen. Wie soll man sich ohne Revierzugang zum Spezialisten machen oder einen Hund ausbilden?

Wir wollten einen anderen Weg gehen. Mit einem erfahrenen Profi die ersten Schritte zu machen, war unser Ziel, um die Themen Waffe und Ausrüstung näher zu beleuchten und auf den Prüfstand zu stellen.

Wir sind vier Jungjäger, die zusammen im Mai 2010 die Jägerprüfung absolviert haben und direkt im Anschluss beschlossen, „mal zusammen zu jagen”.

Gesagt, getan!

Nach Internetrecherche stießen wir auf den „Lehrprinzen”. Nach ein paar Telefonaten mit Stefan Fügner wurden sofort zwei Jagd-Wochenenden gebucht und wir konnten noch einen weiteren Jungjäger als Teilnehmer dazu gewinnen. Zu fünft sollten wir also unseren ersten Jagden beginnen.

Die Vorbereitung erwies sich als unkompliziert. Die Zimmerreservierung und Auswahl erfolgte durch den „Lehrprinz eV”, Waffen und  Ferngläser konnten geliehen werden. Gerade letzteres erwies sich als hilfreich, da so keine hektischen Spontankäufe bei diesem wichtigen Thema getätigt werden mussten. Auch die Beköstigung für das gesamte Wochenende war organisiert. Da unser Team beruflich sehr eingespannt ist, trug dieses „Rundum-Sorglos-Paket” bereits im Vorfeld dazu bei, das Wochenende entspannt anzugehen. Das vorhandene „Angebot” wurde schnell und unkompliziert auf unsere terminlichen Erfordernisse angepasst. Eigentlich ist es geplant, das Seminar in einer kompletten Woche durchzuführen.

Das Rahmenprogramm war hervorragend organisiert und begann am Donnerstag mit einem Kaffeetrinken auf dem Lieper Vorwerk mit dem Jagdleiter Stefan Fügner und dem Pächterehepaar Dr. Wolfgang und Astrid Lipps. Nach Klärung der Formalitäten erfolgte die Einweisung in das Revier. Danach wurden die zur Verfügung gestellten Waffen vorgestellt und es fand ein Probeschießen statt.

Nach einem gemeinsamen Abendessen bei hervorragendem Wetter auf der Terrasse des Lieper Vorwerks ging es zum ersten Ansitz.

Abendessen auf dem Liepervorwerk
Abendessen auf dem Lieper Vorwerk (Foto: Dr. W. Lipps)

Schon bei diesem ersten Ansitz wurde der Wildreichtum in diesem Jagdrevier deutlich.  Ob ansitzen in den Oderwiesen oder am Waldrand Ricken, Kitze, Hasen, Füchse und natürlich Böcke konnten immer erblickt werden. Wir waren verteilt auf verschiedene Ansitze des umfangreichen Reviers und jeder hatte Anblick. Mehrere hätten sogar Gelegenheit gehabt, doch die Aufregung war noch zu groß ob der Vielfalt, die sich bot.

Die Jagdgöttin Diana war uns hold und bereits am Abend des zweiten Jagdtages konnten drei Böcke zur Strecke gebracht werden. Bock vier komplettierte unser Jagdglück am folgenden Tag und wurde ebenso konsequent „totgetrunken” wie die ersten Abschüsse.


Die Strecke des Wochenendes hängt nun in der Kühlkammer (Foto: M. Rickmann)

Morgen-, Mittag- und Abendansitz hatten sich also gelohnt und auch in puncto Zerwirken wurden unsere Kenntnisse erweitert. Wir wechselten Ansitzstandorte, -kanzeln und -leitern und hin und wieder auch das Wetter. Von schwül und warm bis Regen war alles dabei. Nach jedem Ansitz gab es etwas Neues zu berichten.

Doch nicht nur das Jagen war ein voller Erfolg, auch die Verpflegung sucht ihres Gleichen. Perfektes Frühstück, vorzügliches Mittag- und Abendessen sowie ein leckeres „Nachtmahl” in Form eines Süppchens hielten Leib und Seele der Jagdgesellschaft zusammen.

Die vier Jagdtage auf dem Lieper Vorwerk waren für uns ein voller Erfolg und ein unvergessliches Erlebnis. Wir freuen uns schon jetzt auf die Fortsetzung im November, wenn die Saujagd ruft.

Keine Kommentare

Mai 11 2010

Profile Image of Gastautor
Gastautor

Als Jungjäger zur Jagd im Oderbruch

Abgelegt unter Allgemein

Oder-Havel-Kanal
Oder-Havel-Kanal an einem kühlen Oktober-Morgen (Foto: J. Lehmann)

„Lade gleich hier durch, die Repetierer sind viel zu laut” flüstert Stefan mir leise zu während wir uns auf den Weg zum Hochsitz machen. Brav schiebe ich das Magazin rein, lade durch, prüfe die Sicherung und schultere meine Sauer wieder.

Es ist Ende Oktober, im Oderbruch nördlich von Berlin ist es morgens schon ziemlich frisch und die Dämmerung bricht heran. Sonderlich früh sind wir nicht losgekommen. Das ist auch ganz gut so, denn die Fahrt von München nach Brandenburg am Abend zuvor war lang und anstrengend und die Nacht entsprechend kurz.

Leise machen Stefan, sein Deutsch Drahthaar Ajax und ich uns auf den Weg. Es wird ein wunderschöner Morgen, wir unterhalten uns leise. Der Anblick bleibt überschaubar: ein paar Reiher, ein Rehbock in 200m Entfernung und viele Kühe. Stefan ist etwas enttäuscht, die Wochen zuvor war hier deutlich mehr los. Ich genieße die Ruhe, die Natur, die frische Luft, die Jagdgeschichten und bin zufrieden. Genau so hatte ich mir die Jagd vorgestellt. Abschalten und trotzdem wachsam sein. Jederzeit könnte ja ein prächtiger Hirsch um die Ecke schauen…

Morgendliche Pirsch
Stefan Fügner und der Deutsch Drahthaar Ajax (Foto: J. Lehmann)

Morgendliche Pirsch
Morgendliche Pirsch mit Stefan Fügner (Foto: J. Lehmann)

Auf dem Rückweg zum Landhof Liepe machen wir noch einen Schlenker durch das Revier. Zumindest durch den Teil des Reviers, der überhaupt befahrbar ist. Das Naturschutzgebiet Oderbruch liegt nur wenige Meter oberhalb des Wasserspiegels und ist entsprechend morastig. Und jetzt bietet sich auch der Anblick, von dem Stefan mir vorgeschwärmt hat. Wir halten an, schließen leise die Türen und pirschen ein Sprung Rehe an. Noch 300m. Die Rehe schauen kurz hoch, wir bleiben regungslos stehen. Sie äsen weiter. Noch 150m. Stefan piekst seinen Schießstock in den Boden. Ich lege an. Und überlege. Mein erster Schuß auf ein lebendes Stück, stehend angestrichen, aufgeregt, eine noch wenig vertraute Waffe. Nein, das ist mir zu unsicher. Wir versuchen näher heran zu kommen, da springen die Rehe ab. Wir fahren zurück zum Landhof Liepe und genießen ein gemütliches Frühstück.

Nachmittags wollen wir die jagdlichen Anlagen meines ungarischen Vorstehhundes Gero prüfen und nehmen ein paar aufgetaute Enten und unsere Flinten mit. Wir sehen zwar einige Enten am Kanal, aber zum Apportieren nehmen wir die mitgebrachten Enten aus Stefans Tiefkühltruhe. Ajax macht es vor, Gero macht es nach, das Apportieren klappt prima. Auch erweist sich unser Hund als schussfest, jedenfalls machen ihm die Schrotschüsse aufs Wasser beim Apportieren nichts aus. Später üben wir noch das Fährtenlegen und die Fährtenarbeit und wir sind sicher, mit der nötigen Übung könnte Gero mal ein brauchbarer Jagdhund werden.

Magyar Viszla Gero
Gero (Foto: J. Lehmann )

Abends gehen Stefan und ich wieder gemeinsam zum Ansitz. Wir sehen viele Rehe, aber leider stehen sie teils spitz, teils hintereinander, teils zu weit. Ein Hase läuft direkt um unseren Bauwagen herum und Stefan erlegt seinen ersten Oderbruchhasen. Natürlich versäumt er nicht, mir die Vorteile seiner kombinierten Kipplaufwaffe, einer Krieghoff Bockbüchsflinte, zu erklären. Leise zu laden und alles Nützliche dabei!

Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen. „Siehst du die Ricke und das Kitz?” fragt Stefan leise auf dem Hochsitz. „Das nenne ich Populationsdruck”. Tatsächlich sehen die beiden Rehe so aus, als wollten sie sich im Gebüsch zum Verdauen niedertun. Aber offenbar hält sie irgendetwas davon ob. Der Wind steht zwar nicht optimal, aber unsere Witterung ist es nicht. „Da sind überall Sauen drin, die Rehe wissen gar nicht mehr wohin”.

Wenig Beunruhigung durch Spaziergänger, gute Äsung und wenig Jagddruck schafft mit der Zeit einen entsprechenden Wildbestand. Keine Frage, der Bevölkerungsrückgang der ostdeutschen Flächenstaaten bewirkt jagdlich günstige Bedingungen. Leider sind nur wenige da, die dies nutzen könnten. Die ostdeutschen Jäger werden älter, es fehlen Pächter mit der nötigen Zeit und dem nötigen Geld um aus den Revieren etwas zu machen. Insofern hat Stefan hier nicht nur jagdlich optimale Bedingungen gefunden. Die beiden Reviere, um die er sich kümmert, hat der Berliner Rechtsanwalt Dr. Lipps gepachtet. Eine Verbindung, die für beide Seiten Vorteile hat. Stefan ist vor Ort und kann sich um das Revier kümmern und Dr. Lipps weiß sein Revier in guten Händen.

Leider sehen wir an dem Morgen die Ricke, auf die Stefan es abgesehen hatte, nur von Ferne. Ich präge mir ihr Aussehen durchs Fernglas ein und setze mich abends wieder hin. Und pünktlich zur Dämmerung erscheint sie wieder. Alleine. Also nicht das Muttertier mit Kitz vom Morgen. Vorsichtig schiebe ich den Lauf über die Brüstung. Die Merkmale sind eindeutig, die Ricke steht breit. Ich entsichere und steche ein. Der Schuß bricht. Die Ricke verhofft, schaut auf, und geht gemütlich ein paar Schritte weiter. Gefehlt? Ich repetiere nach. Der zweite Schuß sitzt, die Ricke bricht sofort zusammen. Ein Leberschuß, wie sich später herausstellt. Keine Meisterleistung, aber das Stück liegt, ist nicht flüchtig und das Wildbret ist nicht entwertet.

Jungjäger Jan Lehmann
Jungjäger Jan Lehmann

Stefan hat die Schüsse gehört und kommt mit dem Auto vorbei. Wir verladen das Stück und bringen es zur Wildkammer wo ich es aufbreche und untersuche. Das habe ich zwar schon öfters getan, aber Anleitung durch einen erfahrenen „Lehrprinzen” ist hilfreich. Natürlich stoßen wir auf mein erstes Stück mit einem Jägermeister an. Auch Dr. Lipps ist mittlerweile in Liepe eingetroffen und wünscht mir „Weidmannsheil”.

Am nächsten Morgen ziehe ich ohne Stefan los und nehme meinen Hund mit. Mal schauen, wie er die Stunden auf dem Ansitz ausharrt. Ich warte auf die Rehe, die Stefan hier neulich beim Vorbeifahren gesehen hat. Die Zeit verrinnt und mein Hund wird langsam unruhiger. Gerade als ich ans Aufbrechen denke, taucht ein Fuchs auf. Ich prüfe den Wind, er hat etwas gedreht und kommt nun ungünstig von schräg hinten. Wenn der Fuchs weiter quert, könnte er Witterung aufnehmen. Trotzdem warte ich zunächst ab. Als er auf gut hundert Meter herangekommen ist, trage ich meinen Schuß an und erlege meinen ersten Fuchs.

Abends ist es Vollmond und wir gehen durch den Ort in den hinteren Teil des Reviers. Auf der Weide am Steilhang haben wir tags schon jede Menge umgegrabene Grassoden gesehen, das Werk zahlreicher Wildschweine. Wir pirschen leise die Straße hoch, aber das Gatter zur Weide ist zu, das Vieh steht drauf und wir brechen ab. Auch der Versuch, uns an den Schilfgürtel am Oderbruch heranzupirschen, scheitert. Der Raureif auf den Grashalmen ist gefroren und bei jedem Schritt knirscht es vernehmbar. So kommen wir nicht an die Wildschweine heran.

In der Gaststätte treffen wir Dr. Lipps und seinen Jagdgast. Sie haben am Einstand am Oderbruch drei Wildschweine erlegt. Stefan und ich hatten dort tags zuvor gekirrt. Dr. Lipps meint, wir sollten doch unbedingt noch mal los, im hinteren Teil wären sie nicht gewesen, hätten aber die Schweine gehört. Es könne ja nicht angehen, dass ein so weit gereister Gast wegen eines geschlossenen Weidegatters um seine erste Sau gebracht würde.

Vom Hochsitz aus am Einstand jagen zu dürfen sei eine besondere Angelegenheit, sagt Stefan, da wäre selbst er noch nicht gewesen. Das verpflichtet und wir ziehen noch einmal los. Schon beim Anpirschen hören wir das Gegrunze der Sauen und das Jagdfieber steigt. Nur zu sehen bekommen wir sie leider nicht. Müde und klamm falle ich Stunden später ins Bett. Drei lange Jagdtage mit kurzen Nächten gehen zu Ende. Mit einem erfahrenen Jäger an der Seite konnte ich meine ersten jagdlichen Schritte unternehmen, weitere werden folgen, da bin ich sicher. Danke Stefan, bis zum nächsten Mal!

Jan Lehmann

Keine Kommentare

Mrz 09 2010

Profile Image of Gastautor
Gastautor

Ein Wochenende im Lehrrevier

Ich treffe Stefan am Samstag vormittags im Rosencafe in Liepe. Wir trinken eine Tasse Kaffee und schauen auf die Revierkarte.
Wir schmieden einen groben Plan, was man sich angucken möchte, wo man eventuell ansitzen kann. Ohne das alles zu sehr zu konkretisieren, packen wir meinen Kram in Stefans Auto und brechen auf zu einer ersten Revierrundfahrt.

Es geht erst mal in DAS Bruch. Wiesen und Feuchtwiesen mit Pappeln und Weiden, Gräben, Dickungen und Schilfgürteln. Im Hintergrund thront das Schiffshebewerk Niederfinow. Auf dem Finowkanal sitzen diverse exotische Enten. Die Kraniche sind seit ein-zwei Wochen da. Kibitze sehen wir auch. Das Rehwild ist sehr vertraut. Läßt sich von dem Auto kaum stören. Ein Sprung mit 8 Stück steht auf 30 Meter, scheint gut durch den Winter gekommen zu sein. 5 weibliche Stücke und 3 Böcke.

Neben einem Hochsitz befindet sich ein Kessel
Direkt neben einem Hochsitz finden wir einen Kessel (Foto Sebastian)

Ein liebevoll gebauter Kessel
Die Bache hatte hier ein schönes Nest gebaut,…… (Foto Sebastian)

Ein liebevoll gebauter Kessel 2
…. das jetzt im März aber schon wieder verlassen ist. (Foto Sebastian)

Die Wiesen sind nass aber zum Glück noch gefroren. Wir kirren ein wenig und kontrollieren Reviereinrichtungen. Anschliessend fahren wir in den oberen Revierteil. Dort ist alles völlig anders. Eine sanfte Hügellandschaft mit Landwirtschaft, kleinteiligen Wiesen, vielen Hecken und einigen Waldinseln.
Am Nachmittag setzen wir uns dann im unteren Revierteil an.
Angrenzend an ein altes Saugatter in der Hoffnung einen Frischling oder Überläufer erlegen zu können. Ich sehe viel Rehwild und einen Fuchs. Die Sauen lassen sich leider nicht blicken. Wir baumen gegen 19:30 ab, essen köstlich, gehen zeitig zu Bett, um am nächsten Morgen früh aufzustehen.

Bei klirrender Kälte und sternenklarer Nacht treffen wir uns um 5 Uhr zum Morgenansitz wieder. Vielleicht können wir das Schwarzwild auf dem Rückwechsel abpassen. Der Mond steht tief aber zum Glück haben wir noch Halbmond. Damit kann man arbeiten. Ich sitze auf einer herrlichen, alten, nostalgischen Kanzel und habe es irgendwie geschafft, meinen großen Münsterländer da hoch zu hiefen. (Hoch war einfacher als runter.)
Die Sauen höre ich mehrfach hinter mir im Bestand brechen, der Schwarzspecht rumort  auch die ganze Zeit. Im Morgengrauen schnürt dann ein Fuchs parallel zum Graben langsam mäuselnd in meine Richtung. Und dann - anstatt sich meiner Wenigkeit weiter zu nähern- verschwindet er auf 200 Metern in einem Graben und ward nicht mehr gesehen. Mist.

Das Rehwild steht jetzt eigentlich überall. Es gibt keine Wiese, keine Rictung in die ich blicken kann, auf der kein Rehwild steht. Immer wieder streichen große Gruppen von Kranichen ab. Vor mir landen noch einge Graugänse. Immer paarweise. Die Partner bleiben auch immer ganz nah zusammen. Das berührt mich irgendwie.

Am Nachmittag entschliessen wir uns, einige entlegene Nieschen des Reviers, lassen die Hunde arbeiten und stellen einen mobilen Sitz um.

Eine fahrbare Kanzel wird umgesetzt
Dank des Frosts sind die Wiesen passierbar: Kanzel an die Anhängerkupplung…… (Foto Sebastian)

Eine fahrbare Kanzel wird umgesetzt 2
…durch die zugefrohrene Senke…… (Foto Sebastian)

Eine fahrbare Kanzel wird umgesetzt
und auf den auf einem Wall gelegenen Weg herauf. (Foto Sebastian)

Die Wiesen und Gräben und Schilfgürtel sind noch voll mit Wasser. Wir besetzen den ein oder anderen Hochsitz, schauen ob alles in Ordnung ist, kontrollieren die Leitern, Sitzbretter und Auflagen und auf einmal, direkt neben uns in der Dickung, geht lautstark Eis zu Bruch. Kraaaawoommmm. Wir sind sofort jagdlich angefiebert, ich bin schnell am Auto, hole Glas und Waffe …. es kracht weiterhin:
Da ist etwas im Busch - ob wir das hochgemacht haben - was ist das bloß - kraaaaaromms - da kracht schon wieder das Eis.
Wir bleiben bestimmt eine halbe Stunde sitzen, hören immer wieder Eis brechen, können aber zu keinem Zeitpunkt sehen, was da in der Dickung für Bewegung sorgt.
Eine Möglichkeit wäre Kollege Bokert; der Biber fühlt sich im Revier pudelwohl und geht wirklich kräftig zu Werke. Habe selten so einen  fleissigen Baumeister gesehen. Der scheint aber auch etwas an Größenwahn zu leiden. Pappeln und Weiden mit einem Durchmesser von über 80cm weder freudig angenommen und hochprofessionell weiterverarbeitet! Ganz fein entastet, Äste und Zweige zu feinen Haufen gestapelt. Wie so ein kleines Kerlchen das schaft ist mir ein echtes Rätsel.

Glanzleistung des Bibers
Der Biber leistet ganze Arbeit! (Foto Sebastian)

Glanzleistung des Bibers Nr.2
Die bevorstehende Arbeit und der Umfang des Baumes spielen für die Auswahl keine Rolle (Foto Sebastian)

Glanzleistung des Bibers Nr. 3
Nach getaner Arbeit! (Foto Sebastian)

Wir hatten viel Anblick, ich konnte das Revier kennen lernen und komme gerne wieder, um bei Revierarbeiten zu helfen und den Lehrprinz e.V. in sonstigen Bereichen zu unterstützen.

Horrido - Sebastian

Keine Kommentare

Apr 11 2009

Profile Image of admin
admin

Seminarblock: “Jährlingsabschuss” 1. bis 31. Mai 2009

Das Jagdjahr hat eben begonnen. Ab 1. Mai steht zunächst in Rehwildrevieren die Bockjagd an, so auch im Lehrrevier des Lehrprinz e.V. im Niederoderbruch.

Standen die Rehe in den vergangenen Monaten teilweise in Sprüngen von 20 Stücken zusammen, separieren sich auch die Böcke. Vor allem die Böckchen des letzten Jahres werden auf ihrer Suche nach einem eigenen, ruhigen Einstand von den Standhaltern durch die Gegend gejagt. Begünstigt durch die Unruhe kann den gesamten Mai hindurch der Abschuss in der Jungendklasse erfüllt werden.

In dieser Zeit - vom 1. Mai bis 31. Mai 2009 - bietet der Jagdverein Lehrprinz e.V. - erstmals im eigenen Lehrrevier - den Seminarblock “Jährlingsabschuss” an.
In einwöchigen Seminareinheiten erhalten Jungjäger Gelegenheit zur jedes Jahr von Jägern sehnsüchtig erwarteten Bockjagd.

Weitere Informationen zu dem Konzept des Seminarangebots sind hier zu finden.
Das konkrete Seminarprogramm für den Mai 2009 erscheint in Kürze auf dieser Seite. Interessenten können es jedoch jetzt bereits bei

Stefan Fügner
Am Bahnhof 3, 16259 Falkenberg (Mark)
Tel. 033458/64247 oder 0178/6141856
jagdblog@gmail.com

erfragen.
Auch eine vorhergehende Revierbesichtigung ist möglich.

Keine Kommentare

Mrz 26 2008

Profile Image of Stefan
Stefan

Erstes Jungjäger-Seminar

Abgelegt unter Seminarankündigung

Von Mittwoch den 14. Mai 2008
bis Sonntag dem 18. Mai 2008
auf Usedom

Ansprechen - Erlegen – Versorgen

Viele Jungjäger suchen nach der Jägerprüfung einen Lehrprinzen.

Sammeln Sie erste jagdliche Erfahrungen.
Zum Beispiel um Referenzen als Bewerber eines Begehungsscheins vorzuweisen oder sich um eine Jagdmöglichkeit bewerben zu können.

Vier Jungjäger und Jungjägerinnen ohne Jagdmöglichkeit jagen unter Anleitung von Lehrprinzen auf ihren ersten Bock.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Denn wir wollen uns ganz Ihrer Ausbildung widmen.

Ihre Lehrprinzen:

Stefan Fügner
• 32. Jahres-Jagdschein
• 9 Jahre eigene Reviere
• 30 Jahre Hundeführer
• Treib-/Stöberjagden
• Korrektur verhaltens-auffälliger Jagdhunde
• Jagd-Publizist

Hubertus v. Rochow
• 38. Jahres-Jagdschein
• bestätigter Jagdaufseher
• Pächter von Hoch-/ Niederwild-Revieren
• Wildschadenschätzer
• Gründer Jagdschule Vorpommern, Jagdmentor
• Züchter von Langhaar-Weimaranern und Rauhaarteckeln

Seminar Inhalte:

1. Tag
Der Ankunftstag (bis 18:00 Uhr) beginnt mit einer Revierbesichtigung. Dabei machen Sie sich ein Bild, wo Sie die Jagd in den nächsten Tagen ausüben.
Der Schießstand in Usedom ist nur Samstags offen. Der nächst gelegene tägliche Stand ist 60 km entfernt.
Dann geht es auf den ersten Abendansitz. Im Anschluss sehen Sie Videoaufnahmen über das Ansprechen des Rehwildes.

2.-3. Tag
Über alle Seminar-Tage gehen Sie auf Früh- und Abendansitz.
Durch die Ruhe des Reviers kann die Jagd auch tagsüber (Pirsch) ausgeübt werden.
Die Jagdausübung wird dem Wetter und den Wünschen der Seminarteilnehmer angepasst.

Zusatzprogramm
Während der Seminartage werden die Seminarteilnehmer in der Jagdhundausbildung unterwiesen. Hier kann, wenn bereits vorhanden, der eigene Hund mitgebracht werden.
Bettina v. Rochow - Musiklehrerin und langjährige Leiterin einer Jagdhornbläsergruppe - wird sie in die Grundlagen des Jagdhornblasens unterweisen

Die Seminargebühr beträgt 650,00 Euro.

Darin enthalten sind:
- Gemeinsame Unterbringung,
- rustikale Verpflegung,
- Abschuss eines geringen Bockes (inkl. Trophäe),
- Betreuung während der Jagdausübung und
- Leihe von Jagdausrüstung bei Bedarf.

Nicht enthalten sind die Anreisekosten und das Wildbret.
Fehlabschüsse werden gesondert vergütet.

Keine Kommentare