Monatsarchiv für Mai 2008

Mai 31 2008

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Stefan

Sachspende

Abgelegt unter Allgemein, Ausrüstung

Das seit dem Amoklauf in Thüringen novellierte Waffengesetz macht es bei Todesfällen für Nicht-Jäger immer schwieriger, die Waffen zu lagern oder zu transportieren. Auch aus diesem Grund ist der Wert gebrauchter Jagdwaffen stark gesunken.

Im Mai 2008 erhielt Lehrprinz e. V. eine Sachspende in Form von Jagdwaffen aus einem Nachlass. Diese werden nun unseren Jungjägern leihweise zur Verfügung gestellt und dienen so einem guten Zweck.

Dem anonym bleibenden Spender auf diesem Wege ganz herzlichen Dank!

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Mai 20 2008

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Stefan

Das Jungjägerseminar aus Sicht eines Teilnehmers

Abgelegt unter Seminarberichte

Als sich die ersten Teilnehmer zum Jungjägerseminar des Jagdvereins Lehrprinz e.V. anmeldeten, war es nicht nur Vorfreude auf einige Jagdtage. Ein wenig Lampenfiber hatte ich schon, als ich nach Usedom aufbrach und mir die Leitung des ersten Jungjägerseminars bevorstand.

Doch die Eindrücke dieses Seminars lassen sich am Besten von einem Teilnehmer selbst schildern.

Hier der erste Bericht über das Jungjägerseminar auf Usedom von Uwe Paschedag

Jungjägerseminar auf Usedom vom 14.5-18.5.2008

Als Jungjäger eine erste Jagdmöglichkeit zu finden, ist nicht einfach. Insbesondere dann nicht, wenn man ursprünglich aus der Stadt kommt und keine Personen mit jagdlichem Bezug in der Familie oder im Freundeskreis hat und wenn die Kriegskasse nicht prall gefüllt ist, um sich mal eben für ein paar Tausend Euro einen Begehungsschein zu kaufen.

Dies war die ernüchternde Erfahrung, nachdem ich im Mai 2007 die Jägerprüfung bestanden hatte und erwartungs- und hoffnungsvoll in den örtlichen Hegering eingetreten war. Und aus den wenigen Hoffnungsschimmern, die sich im Laufe der nächsten Monate ergaben, wurde leider nichts. Zum Jahresende gab es dann aber doch eine Einladung zu einer Drückjagd in einem kleinen Waldrevier, die zwar für alle erfolglos verlief, mir aber erstmals Gelegenheit bot, meinen schönen alten Drilling auszuführen. Außerdem durfte ich danach noch ein paar mal alleine in dem Revier ansitzen. Viel Wild erschien dabei nicht auf der Bühne, doch die 2 oder 3 Stücke Rehwild, die ich insgesamt bei den rund 10 Ansitzen sah, reichten aus, mir zu zeigen, wie schwierig es ist, Wild in der Praxis anzusprechen um innerhalb von Sekunden zu einer zweifellos richtigen Entscheidung zu kommen. Ebenso das Aufbrechen und Versorgen von erlegtem Wild hatte ich zwar im Rahmen der Vorbereitung auf die Jägerprüfung in der Theorie gelernt, dies praktisch umzusetzen ist aber etwas ganz anderes. Im Februar dann mit dem Hegering zu einer Taubenjagd – das war’s soweit erst mal. Und mit dem Wissen um mein Unwissen einen Jagdurlaub oder ein Jagdwochenende zu buchen, wäre mir viel zu peinlich gewesen. Mir wurde also klar, dass ich ohne praktische Anleitung, wie es normalerweise üblich sein sollte, nicht weiter kommen würde.

Und dann fand ich im Jagdblog im März den Hinweis auf die Gründung des Vereins Lehrprinz e.V. und das Jungjägerseminar. Das kam wie gerufen – denn es versprach die Lösung meines Problems. Der Lehrprinz e.V. hatte offenbar genau diesen Missstand erkannt und wirkt dem durch seine Zielsetzung und das Programm entgegen.

Also schnell Kontakt zum Vorsitzenden Stefan Fügner aufgenommen und das erstmals stattfindende 5-tägige Seminar auf Insel Usedom fest gebucht. Zu einer angemessenen Kostenerstattung sollte es die Jagd auf einen geringen Bock per Ansitz und Pirsch täglich morgens und abends unter Anleitung mit allem, was dazu gehört, enthalten. Außerdem tagsüber die Ausbildung von Jagdhunden und ggf. Unterweisung im Jagdhornblasen. Unterkunft und Verpflegung ebenfalls inklusive.

So wartete ich mit Spannung auf den 14. Mai, an dem es losgehen sollte. Dann, 4 Wochen vor Seminarstart, erhielten wir zuhause Rudelzuwachs in Form eines 2 ½ Jahre alten Golden Retrievers, der bislang leider nicht viel Erziehung genossen hatte. Ihn während des Seminars zuhause zu lassen wäre unmöglich gewesen. Also kurz Seminarleiter Stefan Fügner kontaktiert, ob ich unseren 33 Kilo Rüpel denn wohl mitbringen könnte. Stefan stimmte sofort zu, was sich auch später noch als „Gold wert“ herausstellen sollte.

Mittwochmorgens am 14. fuhr ich mit meinem Halbstarken dann also ab in Richtung Usedom und kam um 17 Uhr an.

Gerade eingetroffen und vorgestellt, ging es auch schon gemeinsam mit Bodo - einem weiteren Seminarteilnehmer, Stefan und Uli vom Verein Lehrprinz und Herrn von Rochow als Jagdleiter in dessen erstaunlich geländegängigem VW-Bus los in das über 700 ha große Jagdrevier am Peenestrom, das nicht landwirtschaftlich genutzt wird und schon beim ersten Anblick atemberaubend erschien. Die weit überschaubare und abgelegene Hügellandschaft mit Mischwald, Bauminseln, Büschen, Wiesen und Bächen bietet wohl dem Wild alles in Hülle und Fülle, was es braucht.

Zusammen mit Herrn von Rochow besetzte ich eine Kanzel an einer Waldschneise. Und was wir bei diesem ersten Abendansitz bereits sahen, dürfte wohl manch einem Jäger sein Leben lang verwehrt bleiben. Insgesamt wohl an die 14 Stücke Rotwild wechselten nach und nach aus dem Waldrand zum Äsen auf die Lichtung und wieder zurück. Zwischendurch sah ich einen recht großen Greif in einem Baumwipfel verschwinden. Beim Blick durch das Fernglas wollte ich meinen Augen kaum trauen. Ein adlerförmiger Kopf, gelbe Ständer – tatsächlich: ein Seeadler (!), wie mir Herr von Rochow bestätigte. Rehwild sah ich an diesem Abend nicht, aber das sollte sich in den folgenden Tagen ändern. Bodo und Stefan hatten auf Ihrer Kanzel Rehwild bestätigt und auch Uli, der das Wild mit der Kamera schießt, hatte Rehwild gesehen.

Zurück in Heringsdorf konnte ich dann erst mal unser komfortables Quartier in Form einer ausgezeichnet ausgestatteten Wohnung im Haus von Herrn Rochow beziehen und nach einer Stärkung wurde es auch schon Zeit für die Nachtruhe, um für den Morgenansitz, der Aufstehen gegen 4 Uhr bedeutete, wieder fit zu sein.

Nach dem Morgenansitz auf einer anderen Kanzel, bei der wir wieder Rotwild, aber auch Rehwild ansprechen konnten, gab es dann erst mal ein ausgiebiges Frühstück.

Im Anschluss ging’s gemeinsam mit Bodos kleiner Münsterländer Hündin Casie, Stefans Deutsch-Kurzhaar Joe und meinem Halbstarken Golden Retriever Bobby raus ans Achterwasser zwecks Hundeausbildung. Während Casie schon auf Abi-Niveau ausgebildet ist und Joe noch mit Konzentrationsschwächen und seiner eigenen Energie zu kämpfen hat, musste mein Rüpel erst mal in die Grundschule. Als erfahrener Hundeausbilder erkannte Stefan ziemlich schnell Bobys Schwächen und Stärken und mit seiner Unterstützung gelang es schnell, ihm grundsätzliche Manieren bei zu bringen, was die 6 vorherigen Besitzer dieser armen und doch so wunderbaren Fellnase vorher nicht zu Stande gebracht hatten. Drill Sergeant Stefan stellte fest, dass Boby nicht aus der Zucht-Richtung der Show-Linien, sondern aus einer Arbeitslinie kommt und dementsprechend gefordert werden muss. Insgesamt konnte ich viele Tipps über Bobys richtige Ausbildung mit nehmen. Seit dem Seminar habe ich als Nebeneffekt quasi einen anderen Hund und auch ein anderes Verständnis für meinen Vierläufer.

Nach der mittäglichen Hundeschule gab’s dann noch eine kleine Ruhepause für alle und nach einer Stärkung bereiteten wir uns schon wieder für den Abendansitz vor. Dieser Rhythmus wurde im Großen und Ganzen über den ganzen Zeitraum beibehalten.

Bei jedem Besuch im Revier wurde eine andere viel versprechende Kanzel belegt, in deren Nähe im Vorfeld außerhalb der eigenen Schussentfernung Wild angesprochen werden konnte. Und bei jedem Ansitz gab es vielfältig Wild zu sehen. Rehwild, Rotwild, Schwarzwild, Fuchs und Hasen zeigten sich regelmäßig auf der Bühne und auch der Seeadler ließ uns nicht alleine. Überhaupt war auch die Artenvielfalt der gefiederten Einheimischen beachtlich.

Die Zusammenstellung der Seminarteilnehmer/Lehrprinz-Teams wechselte dabei immer wieder ab, so dass möglichst viel Wissen und Erfahrungswerte vermittelt werden konnte. Und wenn der Ansitz mal nicht so viel brachte, dann gings eben auf die Pirsch, denn auch das will unter Berücksichtigung vielfacher Faktoren wie auch das Verhalten auf dem Hochsitz gelernt sein.

Neben dem Ansitz und der Pirsch lernten wir durch „learning by doing“ im Revier von Herrn von Rochow aber auch Praktisches z.B. über das Anlegen einer Sauenkirrung und eines Wildackers und über den Bau von Ansitzeinrichtungen.

Am Freitag am frühen Abend hatten wir dann Gelegenheit, ein weiteres Revier im Landesinneren kennen zu lernen, das landwirtschaftlich genutzt wird und in dem es in einem Maisschlag starken Wildschaden durch Schwarzwild gibt. Der klare blaue Himmel ließ für nachts auf gutes Vollmondlicht hoffen, so dass dem Ansitz auf Rehwild in diesem Revier ein spannender Nachtansitz am Feldrand auf die schwarzen Koffer folgen sollte. Leider machte uns das Wetter aber dann doch einen Strich durch die Rechnung, denn dunkle Wolken ließen später nicht das erforderliche Mondlicht für einen nächtlichen Ansitz auf Schwarzkittel durch. Jedoch wurden mein Lehrprinz Stefan und ich Zeugen eines ungewöhnlichen Naturschauspiels, als plötzlich ein Reh ein anderes über die Bühne jagte. Spontan gingen wir von einem Bock aus, der jahreszeittypisch einen Jährling aus seinem Revier vertreibt und ich hatte schon fast meinen schönen alten Drilling im Anschlag, als Stefan erkannte, dass es ein Bock war, der eine Ricke trieb – wie in der Paarungszeit - und das schon im Mai!

Da der Nachtansitz also ausfiel, konnten wir am Samstagmorgen wieder in das Revier auf Usedom, wo wir in den Tagen zuvor ja nun schon das eine oder andere Reh als „passend“ angesprochen hatten. Für Bodo sollte dies, da er bereits am Samstag abreisen musste, schon die letzte Möglichkeit sein, seinen ersten Jährling zu erlegen, doch das Jagdglück war nicht auf seiner Seite.

Ich selbst konnte zusammen mit Herrn von Rochow als Lehrprinz auf dem Pirschgang ein Schmalreh ansprechen, das friedlich auf einer Lichtung äste. Dieses Schmalreh hätte ich ohne weiteres strecken dürfen, jedoch hatte ich ja noch etwas Zeit und so ließ ich in der Hoffnung auf einen kleinen Trophäenträger den Finger gerade und wünschte dem Schmalreh einen schönen Tag.

Für Bodo wurde es am Vormittag dann schon Zeit für die Heimreise, nachdem die Bereifung seines Wohnanhängers wieder unter tatkräftiger Mithilfe von Stefan fit gemacht war. Viel zu schnell war das Seminar rum gegangen und gern hätte man noch mehr Zeit zusammen verbracht, um auch noch mehr spannendes Wissen aufnehmen zu können.

Nach einem nachmittäglichen Ausflug mit den Fellnasen Bobby und Joe und Drill Sergeant Stefan über die Strandpromenade unter Lerneinheiten und Austoben am Strand wurde es nach einer anschließenden zünftigen Stärkung schon Zeit auch für meinen letzten Abendansitz.

Herr von Rochow schlug vor, noch mal das Revier im Landesinneren zu wählen, da er dort einige Zeit zuvor gleich ein paar Rehböcke gesichtet hatte, von denen sicher einer der Richtige sei. Denn in dem großen Revier schien das Geschlechterverhältnis beim Rehwild aktuell stark in Richtung Ricken zu tendieren, was dort die Chancen schlechter erscheinen ließ. Der verregnete Nachmittag versprach dabei die günstigste Voraussetzung zu sein, dass das Rehwild auch tatsächlich auf die Lichtung heraustreten würde. Durch die eng werdende Zeit in Kombination mit den günstigen Voraussetzungen war die Erwartungshaltung dann natürlich bei allen hoch.

Doch man kann Diana nicht zwingen und so sollte uns das Jagdglück an diesem Abend auf der Kanzel versagt bleiben. Das Rehwild ließ sich nicht sehen, allein eine Fähe schnürte über die schöne abgelegene Lichtung. Doch auch dieser Ansitz war lehrreich, denn warum war es wohl eine Fähe? Und warum geht man wohl ausgerechnet mittig über die Lichtung auf den Hochsitz zu? Als wir den Ansitz abbrachen, weil es zu dunkel wurde, um Wild noch richtig ansprechen zu können, sahen wir in einiger Entfernung noch ein Stück Kahlwild in der Waldinsel verschwinden, das wohl in der Wiese gelegen hatte.

Herr von Rochow sammelte uns dann mit seinem Bully wieder auf und auf der Rückfahrt ins Quartier machten sich bei mir dann doch die vielfältige Aktivität und der wenige Schlaf der letzten Tage bemerkbar, die im übrigen wie im Flug und viel zu schnell vorüber gegangen waren. Im Quartier angekommen, überließ man mir die Entscheidung für oder gegen einen letzten Morgenansitz. Da Lehrprinz Stefan und unsere hilfreiche Hand Uli und ich aber am kommenden Sonntag noch hunderte von Autobahnkilometern vor uns haben sollten und wir alle eh schon ziemlich geschafft war, siegte die Vernunft bei der Entscheidungsfindung, so dass ich dem Ausschlafen Vorrang einräumte. Dies sollte sich auch als unbedingt richtig erweisen.

Am nächsten Morgen gings also nach einem ausgiebigen Frühstück und der Verabschiedung auf die Heimreise. Übrigens auch ohne Abschuss nicht ohne Trophäe, denn auf einem der Reviergänge hatte ich eine Abwurfstange gefunden.

Herr von Rochow bedauerte, dass wir nun leider keinen Erfolg gehabt hätten, doch dem musste ich widersprechen. Denn erfolgreich war das Seminar für uns Jungjäger auf jeden Fall, ein erster Abschuss hätte lediglich den krönenden Abschluss ausgemacht.

Die Zielsetzung des Seminars und meine Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt und teilweise auch weit übertroffen. Nie hätte ich mit einer so großen Wilddichte und Artenvielfalt gerechnet. So konnte natürlich das Ansprechen von Wild optimal geübt werden und es wurde niemals langweilig, weil es immer etwas Neues zu Lernen gab.

Wie bereits erwähnt, machte für mich persönlich auch die Hundeausbildung unter der erfahrenen Führung Stefans einen entscheidenden Teil des Tagesablaufs aus, so dass ich am Ende tatsächlich einen anderen Hund mit nach Hause nehmen konnte.

Durch die Vielzahl der Aktivitäten von früh morgens bis spät abends blieb nur leider kaum Zeit für einen schönen geselligen Teil am Abend. Schade vor allem, weil die Chemie der Gruppe stimmte und es in gemütlicher Runde bei einem guten Tropfen sicher auch noch viel zu erzählen gegeben hätte. Aber das Seminar fand ja erstmals statt und so galt es für alle, zunächst erst mal Erfahrungen zu sammeln. Und auch wenn es nur ein Nebenaspekt des Seminars war, den ersten Rehbock hätten wir schon ganz gerne für uns verbucht – und den kriegt man eben nur im Revier - und nicht beim Bier.

Ein weiterer positiver Aspekt gerade für mich als Jungjäger ohne gute jagdliche Verbindungen sind die sicher nicht zu unterschätzenden Kontakte, die sich durch solch ein Seminar ergeben.

Für mich steht auf jeden Fall fest, das ich die Seminare des Lehrprinz e.V. regelmäßig frequentieren werde, bis ich mich fit fühle – denn es gibt noch viel zu Lernen. Prädikat: ausgesprochen empfehlenswert

Ein großes Dankeschön für Ihre unermüdlichen Bemühungen, uns mit dem ganzen notwendigen „Drumherum“ zu versorgen und uns die Seminarinhalte zu vermitteln möchte ich abschließend an unsere beiden Lehrprinzen, Stefan Fügner und Hubertus von Rochow richten und auch an Ulrich Döring, der das ganze Seminar hilfreich begleitet hat.

U. Paschedag, Warstein

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Mai 19 2008

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Bericht eines Lehrprinzen vom ersten Jungjägerseminar

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Als der Jagdverein Lehrprinz e.V. Anfang des Jahres seine Arbeit aufnahm, war es an der Zeit, das erste Seminar für Jungjäger zu starten. Im Januar hatte ich mir bereits einen Eindruck vom Wildreichtum auf der Insel Usedom gemacht und mich entschlossen, mit Hubertus von Rochow als zweitem Lehrprinzen dort das Jungjägerseminar abzuhalten.

Wir hatten uns auf eine Woche Mitte Mai geeinigt, da in dieser Zeit das Rehwild besonders aktiv ist und somit Ansitze zahlreichen Wildanblick versprechen.

Die Resonanz auf die Beschreibung des Seminars war zunächst groß. Am Ende meldeten sich nur zwei Teilnehmer an. Das stellte sich später als Glücksfall heraus, da beide Teilnehmer mit ihren Hunden anreisten und wir unsere ganze Aufmerksamkeit den beiden Jungjägern widmen konnten.

Am Freitag, den 9. Mai ging es dann auf die fast 900 km lange Reise. Zwei große Jagdtaschen, zahlreiche Jagdutensilien, zwei Waffen wurden in der VW Doppelkabine verstaut und oben auf allem tronte DK Rüde Joe in seinem Körbchen.

Wenn man dann mit 90 km/h über die Autobahn fährt, ist da nicht nur die Vorfreude auf einige Jagdtage. Auch viele Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie wird das Wetter? Werden wir genügend Anblick haben? Werden sich Hunde und Jäger vertragen?

Doch alles der Reihe nach.

1. Die Reviere:
Den Jungjägern standen gleich mehrere völlig unterschiedliche Reviere zur Verfügung. Das eigene Revier des Herrn von Rochow, ein reines Waldrevier mit zahlreichen Kirrungen und Wildäckern. Das zweite Revier, das bejagt wurde, liegt auf einer Halbinsel der Insel Usedom und ragt in das Achternwasser, den Mündungsarmen der Peene hinein. Extensiv bewirtschaftete Wiesen mit verlandeten Seen, Kiefernwäldern und einem Bachlauf bestimmen hier das Bild der Landschaft. Die völlige Abgeschiedenheit, die Wiesen, der Bach und das nahe verschilfte Ufer gaben diesem Jagdbogen eine ganz besondere Note.
Auch ein etwas weiter vom Quartier gelegenes 3. Revier lag abseits der Touristenströme und bot den Seminateilnehmern einen Einblick in die Landschaft und das Jagen in Mecklenburg-Vorpommern.

rehwild
Karge Wiesen, Kiefernwälder und verlandete Seen prägen das Bild der Landschaft auf Usedom

Raps
In Mecklenburg, in Mecklenburg, da sind wir durch den Raps gegurkt.

2. Die Teilnehmer:
Die wichtigste Frage vor dem Seminar war, ob sich Jungjäger und Lehrprinzen verstehen. Doch alle Bedenken lösten sich schnell in Luft auf. Obwohl auch die komfortabelste Ferienwohnung bei 3 Hunden und 4 Bewohnern eng wird, kamen alle Bewohner bestens miteinander aus. Der oft enge Zeitplan mit Morgenansitz, Frühstück, Hundearbeit, Revierfahrten und Abendsansitz forderte von allen Beteiligten eine hohe Disziplin. Auch der Golden Retriever Rüde Bobby, mit sichtlichen Anfangsproblemen im Gehorsam, war schnell “eingenordet” und fügte sich dem streng geregelten Tagesablauf.

3. Die Hunde:
Da beide Jungjäger ihre Hunde mitbrachten und viel Arbeit notwendig war, war ich froh, dass das Seminar sich nur auf 2 Teilnehmer begrenzte. Schon ein 3. Teilnehmer hätte eine optimale Beteuung nicht mehr gewährleisten können.
Die zahlreichen menschenleeren Uferbereiche mit Schilfgürteln boten ideale Bedingungen, um mit den Hunden die Wasserarbeit zu vertiefen.
DK Rüde Joe hatte ich mitgenommen, weil ich weiß, wie sehr sein Ehrgeiz geweckt wird, wenn er anderen Hunden beim Arbeiten zusehen muss. Meine Idee ging auch voll auf. Verbissen arbeitete Joe an seinen Apportierfähigkeiten, als er sah, wie gut die anderen Hunde den Fuchsdummy und das Apportel aus dem Wasser holten. Zudem kam es beim Jungjägerseminar zu einer kleinen Liebesgeschichte. Joe hatte sich in die Kleine Münsterländer Hündin Cassie verliebt. Während der Ruhephasen lag er neben ihr und wich ihr nicht mehr von der Seite. Sichtlich verliebt bewunderte er seine Angebetete.

Joe: Apport am Wasser
Obwohl der Apport nicht sein Lieblingsfach ist, aktivierte die Arbeit der anderen Hunde seinen Ehrgeiz.

Joe bei der Wasserarbeit.
Joe: Apport am Wasser

Joe: Apport am Wasser
Joe mit Petriheil: Anstatt den Dummy zu apportieren, bringt Joe einen bereits ausgenommenen Karpfen, den er im Schilfgürtel fand.

Joe: Apport

Beide Hunde Apport!
Da strahlt der Ausbilder!

Cassie

Cassie ist eine für Münsterländer ungewöhnlich ruhige Vertreterin. Es ist ein Augenschmaus, ihr bei der Quersuche zuzusehen. Ruhig und gründlich pflügt sie, ständig die Nase im Dreck, durch die Wiesen. Nur mit der Nähe zum Führer klappt es noch nicht, aber die Arbeit, den Hund enger an den Führer zu binden, machte bereits an den Tagen des Seminars Fortschritte. Die sensible Hündin, wegen Schussscheue als unbrauchbar abgegeben, hatte wohl den falschen Führer. Mit Bodo, ihrem neuen Herrn, wächst ein harmonisches Gespann heran, was große Hoffnungen weckt. Die zarte sensible Hundin paßt zu ihrem Führer, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Kessy: Apport am Wasser
Nicht nur der Dummy,…

Kessy: Apport am Wasser:Apportierbock
…sondern auch den schweren Apportierbock bringt die zarte Cassie sicher zu Führer.

Kessy: Quersuche
Üben der Quersuche auf den Wiesen am Rande des Achternwasser

Kessy: Quersuche

Bobby

Bobby, der Golden Retriever Rüde, ist ein Paradebeispiel völligen Versagens unkundiger Tierschützer. Scheinbar hatte niemand erkannt, dass Bobby kein Kuschelretriever ist, sondern deutlich alle Anzeichen einer Arbeitslinie in sich trägt. Diese völlig Fehleinschätzung führte dazu, dass es Bobby in 2 1/2 Jahren auf 6 Besitzer brachte.
Schon nach einigen Übungen am Grundgehorsam besserte sich sein anfänglich rüpelhaftes Verhalten. Doch am Wasser kam dann sein eigentlicher Arbeitswille zum Vorschein. Zwar paddelte er noch unbeholfen im Wasser, was bewies, dass Bobby bisher kaum am Wasser gearbeitet worden war, aber das schwere Apportel griff er ohne zu zögern und brachte es zum Ufer. Schnell begriff Bobby, was man von ihm will und die 4 Tage Seminar haben die ersten Weichen gestellt, dass Uwe wohl nun sein letzter Besitzer sein wird. Für mich der größte Erfolg auf dem Seminar.

Bobby: Apport am Wasser
Bereits am ersten Tag bringt Bobby das schwere Apportel…

Bobby: Apport am Wasser
…und bringt es tragend ans Ufer

Bobby liegt gehorsam im Auto
Auch am Gehorsam wurde gearbeitet: Bobby wartet auf den Führer an der offenen Autotür

Joe und Bobby
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Joe und Bobby üben das Ablegen.

Nach der Arbeit
Nach der Hundearbeit genossen alle die Stille und Ruhe der Insel

4. Revierarbeiten:
Das Ansprechen und Jagen sollte im Mittelpunkt des Seminars stehen. Doch auch ein wenig Informationen über Revierarbeiten sollten nicht fehlen, weshalb wir an einem Tag eine Revierfahrt zu den Kirrungen unternahmen und der der Bau zweier einfacher Erdsitze wurde in Angriff genommen.
Insbesondere das ausgeklügelte System der Beschickung der Kirrungen stieß auf großes Interesse. Es wurde aber auch klar, mit welch hohem Aufwand eine relativ kleine Jagd betreut werden muss, um am Ende eines Jagdjahres eine passable Strecke vorweisen zu können.

Lehrprinz bei der Arbeit
So muss es sein:

Lehrprinzen arbeiten
Die Lehrprinzen arbeiten…

Jungjäger schwatzen
…und die Jungjäger fachsimpeln!

Hundesuhle
Auch die Hunde nutzen gern die Suhlen.

an der Wilduhr
Lesen und einstellen der Wilduhr

Wildackerbestellung
Wildackerbestellung

5. Ansitze:
Auf das Üben des Ansprechens hatten wir das besondere Augenmerk gelegt, weshalb beide Jungjäger zu allen Ansitzen begleitet wurden. Hier hatten wir großes Glück. Das Revier verfügte über einen besonders guten Wildbestand. Zudem hatte man von den Sitzen einen weiten Blick über das Tal und der Termin des Seminars war optimal gewählt, denn wir konnten das Rehwild in einer sehr bewegungsaktiven Zeit beobachten.
Von den Anblicken, die wir hatten, war selbst ich überrascht. Manchmal lief der Ansitz ab wie im Kino. Es konnte nicht nur Rehwild, sondern auch Rotwild und Sauen angesprochen werden. Und wenn dies gerade mal nicht da war, wer es ein Fuchs, der Seeadler oder irgedwelche seltenen Vogelarten, die den Ansitz jedesmal zu einem Erlebnis machte.
Als Pirschjäger kam auch ich an einem Abend auf meine Kosten. Einen weit entfernten Spießer im Bast haben wir angepirscht und kamen bis auf wenige Meter an ihn heran, aber mit der schnellen routinierten Schussabgabe wollte es dann doch nicht klappen, aber versucht hatten wir es und das war es allemal wert gewesen.

Fazit:
Auch wenn es mit dem Erlegen eines Jährlingsbockes nicht geklappt hat, so war das Jungjägerseminar ein voller Erfolg. Im Mittelpunkt stand die Aufgabe, den Jungjägern das Ansprechen in der Praxis zu lehren. Bei je 4 Abend- und Morgenansitzen mit großen Mengen an Wild sind die Jungjäger beim sicheren Ansprechen von Wild einen wesentlichen Schritt weiter. Die Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern hat bewiesen, dass sie zu den wildreichsten Gegenden Deutschlands gehört und immer eine Reise wert ist.
Es waren sicherlich auch für mich die wildreichsten, aber auch die anstrengensten Jagdtage meines Lebens.
Wir werden das Jungjägerseminar auf Usedom auf jeden Fall wiederholen und das Seminar “Kahlwild richtig bejagen - Das Ansprechen und Erlegen des weiblichen Rotwildes” ist bereits für September geplant.

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